"Plötzlich war es vorbei. Eben gerade. Kurz vor Zehn. Im Auto, auf dem Weg zu einem Treffen, an dem ich hätte teilnehmen sollen.  Aber plötzlich ging es nicht mehr. - Plötzlich war alles anders.

Ich stand im Stau. Auf dem Potsdamer Platz, umstellt von Luxus SUVs mit Pseudo-Elektroantrieb. Und plötzlich wusste ich, das ich so nicht weitermachen will. Plötzlich wusste ich, dass das alles absolut sinnlos ist. Und nicht nur sinnlos. Sondern absurd. Schlimmer noch: Kriminell. - Plötzlich war mir klar, dass ich sofort aus all dem raus musste.

Raus aus der Verschwendung meiner Lebensenergie, raus aus der sinnlosen Arbeit in der Kultur-Industrie, raus aus dem Wahn, dass wir einfach immer so weitermachen können und alles schon irgendwie werden wird. - Nein.

Nichts wird sich finden. Es geht gerade absolut schief. Und die streikenden Schüler und die plötzliche Entschlossenheit der jungen Generation ist beim besten Willen kein Hoffnungssignal, aufgrund dessen wir uns jetzt entspannt zurücklehnen können, sondern ein Ausdruck äußerster Verzweiflung und immer wütender werdenden Wut. - Ich kann da nicht länger zuschauen.

Ich muss endlich selbst Konsequenzen ziehen. - Also bin ich auf den Bürgersteig gefahren, habe das Auto abgestellt - und bin ausgestiegen. - Das wars.

Ich habe alles hinter mir gelassen. Meinen Elektro-Mietwagen, meine Termine, mein falsches Ich als Filmproduzent in einer immer absurder gewordenen Pseudo-Branche.

Ich lief durch die Biertouristenhässlichkeit des Sony Center, überquerte die Tiergartenstrasse und drang durch das Dickicht in den Park ein. Wie ein Tier auf der Flucht. In den Schutz des Waldes. - Der Lärm der Stadt verebbte hinter mir.

Plötzlich war ich in einer anderen Welt. Wasserfontainen unter Baumkronen. Wiesen mit Baumbestand in der Vormittagssonne. Gärtner. Hunde. Spaziergänger. Bänke.

Ich setzte mich und atmete aus. Und dann wieder ein. Und dann wieder aus. Und wieder ein. Atmen. Damit fing das neue Leben an. Ich begann mich ganz und gar auf mein Atmen konzentrieren.

Eine lange Zeit dachte ich an gar nichts mehr. Ich war nur da. In der Frühlingssonne. Mit geschlossenen Augen. Atmend.

Später bemerkte ich, dass ich, seitdem ich das Auto verlassen hatte, reflexartig immer noch mein IPhone in der Hand hielt.

Plötzlich wusste ich, dass jetzt, in diesem Moment, etwas Neues begonnen hatte. Ein neues Leben. Ein neuer Weg.

Jetzt ist alles anders.

Ich schaltete die Diktierapp auf dem Iphone ein, dachte noch einmal kurz nach - und dann sagte ich: “Jetzt beginnt das richtige Leben. - Adieu”

Und dann warf ich das IPhone in den See, der vor mir lag, wo es mit einem endgültigen Geräusch versank.”