In dem Moment, in dem ich das erste Mal eine Videokamera in der Hand genommen habe,  wusste ich, dass ich Künstler bin. Dieser alles entscheidende Augenblick, in dem aus der in alle Richtungen gleichzeitig verströmenden Zeit, ein Ausschnitt, eine Perspektive, ein Blickwinkel ausgewählt werden muss und in dem, durch die Bewegungen unseres Körpers, der spontan auf das Wahrgenommene reagiert, neue Anpassungen, neue Konzentrationen, Verlagerungen, Betonungen, Hervorhebungen geschaffen werden, die immerzu wieder neue Bedeutungen und Zusammenhänge erschaffen, auf die wiederum sofort reagiert werden muss - das ist der Moment von tiefer existenzieller künstlerischer Anwesenheit, in dem das Material entsteht.

Material, das später analysiert, fragmentiert und angeordnet wird.

In dieser Sekunde, jetzt, das Beste geben. Den Atem anhaltend, den Raum erfassend, die Situation erahnend, die neuen Konstellationen voraussehend - hoffend, auf die nächste plötzliche Regung, bangend, lauernd, in schwebender Aufmerksamkeit und in tiefster Anteilnahme.

‚Das ist, was ich machen muss! Das ist, wer ich bin.‘  - Das habe ich sofort verstanden, in diesem ersten Moment, damals, mit der neuen Kamera, auf dem hügeligen Feld in der Uckermark, mit Mähdreschern, Heuballen, Füchsen und Rehen und Kranichen, in der Dämmerung, am Hang.

Kurze emphatische Filme, Momententnahmen der tragischen, schönen Flüchtigkeit unseres Seins.

Pure Präsenz.

Und wenn es das Einzige ist.

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